Welche Frage eignet sich für eine systemische Aufstellung?

Eine Frage für eine systemische Aufstellung sollte sich auf eine konkrete Situation beziehen und darauf, was Sie selbst klären, entscheiden oder anders gestalten möchten. Sie muss vor dem ersten Gespräch noch nicht fertig formuliert sein. Ein guter Anfang ist: Was beschäftigt mich gerade, und welche Klarheit wünsche ich mir für meinen nächsten Schritt?

Vielleicht stehen Sie zwischen zwei beruflichen Möglichkeiten. Vielleicht übernehmen Sie in Ihrer Familie mehr, als Ihnen auf Dauer guttut. Oder ein Gespräch endet immer wieder im gleichen Konflikt. Die folgenden Beispiele helfen Ihnen, aus einem großen Thema eine überschaubare Frage zu machen. Was die Methode grundsätzlich ausmacht, erklärt der Beitrag Was ist eine systemische Aufstellung?

Vom Thema zu einer konkreten Frage

„Meine Familie“ oder „meine Arbeit“ benennt zunächst einen Lebensbereich. Für die Vorbereitung lohnt sich ein zweiter Blick: An welcher Situation merken Sie gerade, dass etwas unklar ist? Was möchten Sie nach einem Termin besser benennen können?

Eine vorläufige Frage darf dabei einfach sein. Sie braucht keine Fachbegriffe und keine Erklärung dafür, woher das Problem kommt. Die folgenden Formulierungen sind Anregungen, keine Vorgaben.

Eine berufliche Entscheidung

Aus „Soll ich die neue Stelle annehmen?“ kann werden: „Welche Erwartungen, Bedürfnisse und offenen Informationen muss ich klären, bevor ich mich entscheide?“ So bleibt die Entscheidung bei Ihnen. Eine räumliche Betrachtung kann einen Ausgangspunkt für Ihre Überlegungen bilden; Angaben zu Vertrag, Aufgaben oder Arbeitszeit müssen Sie mit dem Arbeitgeber klären.

Verantwortung in der Familie

Aus „Warum bleibt immer alles an mir hängen?“ kann werden: „Welche Aufgaben übernehme ich derzeit, welche davon möchte ich weiter tragen, und wo brauche ich eine andere Absprache?“ Damit richten Sie den Blick auf eine Situation, die Sie beschreiben und im Alltag ansprechen können.

Eine Spannung in einer Beziehung

Aus „Was denkt die andere Person wirklich über mich?“ kann werden: „Welche Erwartung habe ich bisher nicht ausgesprochen, und was möchte ich im nächsten Gespräch klären?“ Eine Aufstellung gibt keinen verlässlichen Zugang zu den Gedanken eines abwesenden Menschen. Was Ihr Gegenüber meint oder möchte, bleibt eine Frage für das tatsächliche Gespräch.

Ein wiederkehrender Konflikt

Aus „Warum passiert mir das immer?“ kann werden: „Was geschieht in dieser bestimmten Situation, wie reagiere ich darauf, und welche andere Reaktion möchte ich prüfen?“ Wählen Sie möglichst eine konkrete Begebenheit statt Ihrer gesamten Lebensgeschichte. Weitere Situationen können später hinzukommen, wenn sie für Ihre Frage wichtig werden.

Drei Schritte zur Vorbereitung

Für erste Notizen genügen wenige Sätze. Sie müssen weder eine ausführliche Familiengeschichte aufschreiben noch bereits eine Lösung kennen.

  1. Die Situation beschreiben. Was ist passiert? Wer oder was spielt für Ihre Frage eine Rolle? Beschreiben Sie eine Begebenheit möglichst ohne eine Erklärung über die Motive anderer hinzuzufügen.

  2. Die gewünschte Klärung benennen. Woran würden Sie merken, dass der Termin für Sie hilfreich war? Beispielsweise daran, dass Sie Ihre eigenen Prioritäten deutlicher benennen oder eine offene Frage für ein Gespräch formulieren können.

  3. Den eigenen Handlungsspielraum suchen. Was können Sie selbst entscheiden, ansprechen oder ausprobieren? Welche Information oder Zustimmung benötigen Sie dagegen von anderen?

Eine brauchbare Vorbereitung könnte lauten: „Ich habe einer zusätzlichen Aufgabe zugestimmt und merke, dass meine Zeit nicht reicht. Ich möchte klären, welche Aufgabe ich abgeben und wie ich das Gespräch dazu beginnen kann.“ Damit ist eine Richtung benannt, ohne das Ergebnis vorwegzunehmen.

Ein erfundenes Beispiel: Wenn eine Frage kleiner wird

Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Es beschreibt keinen tatsächlichen Termin bei On Perception.

Mara organisiert viele Besuche und Besorgungen für ihre Mutter. Zunächst lautet ihre Frage: „Wie bringe ich meinen Bruder dazu, mehr zu übernehmen?“ Bei der Vorbereitung bemerkt sie, dass sie seine Bereitschaft nicht bestimmen kann. Sie kann aber festlegen, was sie selbst dauerhaft leisten möchte.

Ihre vorläufige Frage wird deshalb: „Welche Unterstützung kann ich anbieten, ohne meine eigenen Grenzen zu übergehen, und welche Absprachen fehlen uns?“ Ein denkbarer nächster Schritt wäre, ihre Aufgaben und zeitlichen Möglichkeiten aufzuschreiben und ein Gespräch über die Verteilung vorzuschlagen. Wie der Bruder darauf reagiert, lässt sich aus einer Aufstellung nicht ableiten.

Was Sie vor einem Termin noch nicht wissen müssen

Sie brauchen keine perfekte Frage und müssen sich nicht auf eine bestimmte Deutung Ihrer Situation festlegen. Auch „Ich weiß noch nicht genau, worum es mir geht“ kann ein ehrlicher Ausgangspunkt für die Kontaktaufnahme sein. Einige Stichworte helfen dabei, die Frage gemeinsam einzugrenzen.

Die Qualitätshinweise der DGSF-Fachgruppe Systemische Aufstellungen stellen die Klärung von Anliegen und Auftrag an den Anfang. Außerdem betonen sie die Selbstbestimmung der ratsuchenden Person. Wahrnehmungen und Deutungen müssen mit deren Sicht abgeglichen werden. Sie dürfen einer Deutung widersprechen oder einen Prozess unterbrechen.

Welche Fragen brauchen eine andere Art von Klärung?

Manche Fragen benötigen überprüfbare Informationen: Was steht in einem Vertrag? Welche Diagnose erklärt Beschwerden? Welche rechtlichen Ansprüche bestehen? Eine Aufstellung kann solche Antworten nicht feststellen. Auch die verborgenen Absichten anderer Menschen oder zukünftige Ereignisse lassen sich damit nicht zuverlässig ermitteln.

Wenn neben einer Sachfrage auch eine persönliche Entscheidung offen ist, lassen sich beide zunächst auseinanderhalten. „Welche Kündigungsfrist gilt?“ braucht eine verlässliche Sachauskunft. „Was ist mir bei meinem nächsten beruflichen Schritt wichtig?“ ist eine Frage nach Ihren eigenen Prioritäten. Die Unterschiede zwischen Aufstellung, Coaching und Psychotherapie helfen bei der weiteren Einordnung.

Mit Ihrer Frage in eine Einzelaufstellung in Berlin

Bei On Perception findet die Aufstellungsarbeit im vertraulichen Einzelsetting mit Thordis Treiber statt. Bodenanker im Raum können für ausgewählte Personen, Rollen oder Möglichkeiten stehen. Ihre Angehörigen oder andere Stellvertretende müssen dafür nicht anwesend sein. Wie ein Termin aufgebaut ist und welche Angaben zu Dauer und Kosten gelten, lesen Sie im Beitrag zur Einzelaufstellung mit Bodenankern in Berlin.

Für eine erste Anfrage genügen einige Stichworte zu Ihrem Anliegen. Über die Kontaktseite können Sie mit Thordis Treiber klären, ob das Einzelsetting für Ihre Frage infrage kommt.

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